Die Grünen im Karlsruher Gemeinderat halten trotz eines Gesprächs mit dem ICF an ihrer kritischen Haltung zur geplanten Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe fest. Die gbs Karlsruhe begrüßt diese klare Position – insbesondere mit Blick auf offene Fragen zum Umgang mit queeren Jugendlichen und die Anforderungen an eine grundrechtsorientierte Jugendhilfe.

Die Grünen im Karlsruher Gemeinderat haben sich zur geplanten Anerkennung des ICF Karlsruhe e. V. als Träger der freien Jugendhilfe geäußert. Nach einem Gespräch mit Verantwortlichen des ICF hält die Fraktion an ihrer kritischen Haltung fest: Die bestehenden Bedenken seien nicht ausgeräumt worden. Insbesondere Fragen zum Umgang mit queeren Jugendlichen seien offen geblieben.

Die gbs Karlsruhe begrüßt diese klare Position ausdrücklich.

Für uns steht im Mittelpunkt die Frage, welche Bedingungen ein Träger erfüllen muss, wenn er Angebote der Kinder- und Jugendhilfe verantworten will. Kinder und Jugendliche müssen sich dort sicher und akzeptiert fühlen können – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität, Religion oder anderen persönlichen Merkmalen.

Gerade bei queeren Jugendlichen darf es keine Unsicherheit darüber geben, ob sie mit ihrer Identität willkommen sind. Wer einen anerkannten Träger der freien Jugendhilfe betreibt, trägt hier eine besondere Verantwortung.

Offene Fragen bleiben offen

Die Grünen-Fraktion weist darauf hin, dass ihr bislang keine schriftliche Distanzierung des ICF Karlsruhe von aus anderen ICF-Kontexten berichteten queerfeindlichen Positionen vorliegt. Nach Einschätzung der Fraktion ist deshalb bislang nicht ausreichend dargelegt, dass der ICF die Gewähr für eine den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit im Sinne des § 75 SGB VIII bietet.

Diese Fragen sind aus unserer Sicht keine Nebensache. Es geht nicht darum, religiösen Organisationen ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen abzusprechen. Es geht vielmehr darum, welche Anforderungen für alle Träger der freien Jugendhilfe gleichermaßen gelten müssen.

Religiöse Überzeugungen verdienen Schutz. Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung eingeschränkt oder aufgrund ihrer Identität abgewertet werden.

Jugendhilfe muss für alle da sein

Die gbs Karlsruhe teilt deshalb die Haltung der Grünen: Entscheidend ist nicht allein, welche Angebote ein Träger macht oder wie überzeugend er seine soziale Arbeit darstellt. Entscheidend ist auch, ob er die grundlegenden Rechte und die Selbstbestimmung junger Menschen gewährleistet.

Wir begrüßen, dass die Grünen nach dem direkten Austausch mit dem ICF an ihrer kritischen Position festhalten. Die offenen Fragen sollten vor einer Entscheidung über die Anerkennung vollständig geklärt werden.

Jugendhilfe muss ein sicherer Ort für alle Kinder und Jugendlichen sein – unabhängig davon, wer sie sind und woran sie glauben.